Veränderungen im Unternehmen korrekt und sozialverträglich gestalten

Kurzarbeit im Wandel der Zeit

Läuft die Auftragslage schlecht, steigt sowohl bei den betroffenen Unternehmen als auch bei ihren Angestellten die Nervosität. Unruhe und Unsicherheit breiten sich aus, das Betriebsklima verschlechtert sich häufig zusehends. Während die Mitarbeiter um ihre Stellen bangen, fürchten die Arbeitgeber ihre zum Teil langjährigen und hoch qualifizierten Arbeitnehmenden nicht mehr länger ans Unternehmen binden zu können oder gar entlassen zu müssen. Arbeitgebende verwenden in solchen Phasen häufig ihre ganze Energie darauf, die Ausgangslage des Unternehmens wieder zu verbessern, z.B. durch die Umsetzung längst fälliger Strukturanpassungen. Die damit verbundenen Veränderungen können zu weiteren Unsicherheiten bei den Arbeitnehmern führen. Für einen konstruktiven Dialog zwischen Arbeitgeberin und Arbeitnehmenden bleibt da meist wenig Zeit.

In solchen Situationen kann die Einführung von Kurzarbeit Entspannung bringen. Zwar bedeutet auch die Kurzarbeit eine Abkehr von der gewohnten Arbeitsroutine und eine offene Prognose für die mittel- und langfristige Zukunft des Unternehmens. Jedoch wird dieser Einschnitt von den Mitarbeitenden trotz aller Unsicherheit meist als weniger gravierend empfunden, als die unbestimmte Gefahr einer drohenden (Massen-)Entlassung. Sollte es dennoch im Anschluss an die Kurzarbeit zu Entlassungen kommen, erhalten die Mitarbeitenden dank der Kurzarbeit mehr Zeit für ihre Neupositionierung und wird der Beginn der Arbeitslosigkeit nach hinten verschoben, ohne dass dies einen Einfluss auf Dauer oder Höhe einer allfälligen Arbeitslosenentschädigung hätte. Für die Arbeitgeber ihrerseits bedeutet das Einführen von Kurzarbeit zwar einen administrativen Mehraufwand. In den meisten Fällen überwiegen jedoch die sich daraus ergebenden Vorteile, insbesondere indem die betroffenen Unternehmen vorübergehen nicht benötigte Arbeitsstunden rasch reduzieren können, ohne später im Aufschwung auf ihre qualifizierten Arbeitskräfte verzichten zu müssen. Zudem gewinnen die Arbeitgeber dadurch die für allfällige Veränderungen notwendige Zeit, während gleichzeitig die Chance einer Erholung der allgemeinen Wirtschaftslage besteht. Aufgrund der weitgehenden Übernahme der Kurzarbeitsentschädigungen durch die öffentliche Hand, werden die den Unternehmen durch die Kurzarbeit entstehenden Mehrkosten grösstenteils aufgefangen.

Dem Instrument der Kurzarbeit wohnen demnach zahlreiche positive Aspekte inne. Doch wie hat es sich in der Vergangenheit bewährt?

Ein Blick zurück zeigt eine positive Entwicklung der Wirkungen der Kurzarbeit. Zwar konnten in früheren Phasen der Kurzarbeit, wie beispielsweise den 80er oder 90er Jahren, nur wenige Arbeitsplätz erhalten werden. Namentlich während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 oder jüngst in der 2015 aufgrund der Frankenstärke ausgelösten Eurokrise zeigte sich jedoch ein anderes Bild und hat sich die Einführung von Kurzarbeit als durchaus probates Mittel zur Sicherung von Arbeitsplätzen erwiesen, womit sich die Frage stellt, worin sich frühere und aktuellere Krisen unterschieden haben. Der Nutzen von Kurzarbeit scheint beschränkt, solange auf Seiten der Unternehmen strukturelle Anpassungen notwendig sind. Sind diese Strukturbereinigungen jedoch bereits erfolgt und handelt es sich um einen unter Umständen zwar heftigen, aber nur relativ kurzen Einbruch der Nachfrage, kann die Einführung von Kurzarbeit – insbesondere bei entsprechender Kommunikation – ein wirksames Mittel sein, um Unsicherheiten bei den Mitarbeitenden zu begegnen und ungewollte freiwillige Abgänge zu verhindern.

Treffen Sie Andrea Kaiser an der Arbeitsrechtstagung 2019.