Arbeitsrechtstagung 2020

Erschwerte Bedingungen regen oft zu besonderen Leistungen an. Gemäss den aktuellen Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (Hygieneregeln, Verhaltensempfehlungen) verlief die Arbeitsrechtstagung 2020 im Zürcher Hotel Marriott – und bot einen Reigen an hochwertigem Diskussionsstoff. Das Thema «Digitalisierung: Schöne neue Arbeitswelt?» setzte sich doch gegen COVID-19 durch.

Schon zum Auftakt vermochte Charles Donkor mit der provokanten Aussage «Culture eats Digital for Breakfast» das Zusammenspiel von digitaler Transformation und Kultur anschaulich darzustellen. Er erläuterte die Faktoren, an welchen die digitale Transformation in Unternehmen scheitern kann, beschrieb die Merkmale digitaler Kultur und gab einen Einblick in zukunftsweisende Modelle. Eine Fehlerkultur (vs. Sanktionskultur) erachtete er als notwendig, betonte dabei aber die rechtlichen Grenzen derselben. Kultur wie auch Digitalisierung müsse ein Teil der Unternehmensstrategie sein, die – im Gegensatz zu früher – keine relativ stabile Vorgabe sei; die strategischen Prozesse müssten heute häufiger überarbeitet werden, so seine Einschätzung. Kultur als Grundfeste der Digitalisierung war Donkors Kernaussage. Ins Detail ging Philip Thomas bei den Herausforderungen von Digitalisierung und Agilität für das Arbeitsrecht. Er stellte rechtliche Überlegungen zur Plattformökonomie (Stichwort Crowdworking) an und gab einen Einblick in Management by Algorithm. Interessant waren auch die Studien zur Entgrenzung der Arbeit, die z.B. aufzeigen, dass sich ein zunehmender Prozentsatz an Arbeitnehmenden durch die ständige Erreichbarkeit gestresst fühlt.

Martina Aepli schloss daran an mit ihrem Vortrag zu den rechtlichen Herausforderungen bei Projektarbeit und Matrixorganisation – beides Phänomene, zu denen es keine speziellen arbeitsrechtlichen Vorschriften in der Schweiz gibt. Einen über das Recht hinausgehenden, psychologischen Blickwinkel nahm Birgit Werkmann-Karcher ein, die über die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung im Wandel und mögliche Konflikte sprach.

Nach der von Mark Alder souverän und unterhaltsam moderierten Podiumsdiskussion konnte man sich beim Steh-Lunch nicht nur am so ansprechenden wie feinen Büffet stärken, sondern auch mit Kollegen die «Arbeitswelt 4.0» weiterdiskutieren. Im kleineren Rahmen gingen nach dem Mittag die parallellaufenden Sessions über die Bühne. Sie boten Raum für eine individuellere, kompaktere Darstellung von Aspekten wie «Praxisfragen im Zusammenhang mit leistungsgerechter Bezahlung in einer digitalisierten Arbeitswelt» oder der Vorstellung des SBB-Digitalisierungsfonds, einem Projekt, das bis 2030 Realität werden soll. Auch hier konnten entweder direkt oder in der folgenden Kaffee-Pause Fragen an die Referenten gestellt bzw. Antworten gefunden werden.

Um die Stellung der Beschäftigten in der Plattformökonomie drehte sich der Vortrag von Bassem Zein, der es verstand, die spezifische Problematik übersichtlich aufzuschlüsseln. Seine Schlussfolgerungen betrafen die Eignung des heutigen rechtlichen Modells und Denkmodelle, dieses anzupassen, indem er zur Flexibilisierung des Arbeitsrechts zwecks Anpassung an neue Umstände riet. Den Abschluss machte ein Forschungsprojekt der Universität St. Gallen, welches Gabriel Kasper vorstellte. Dieses befasst sich mit den rechtlichen Konsequenzen eines Personalmanagements mit Hilfe von algorithmen-basierten HR-Tools. Das Fazit aus den Studienergebnissen: People Analytics ist in der Schweiz angekommen, wird jedoch noch nicht überall rechtskonform eingesetzt. Verbesserungspotenzial ist in Bezug auf die Trennung von Privat- und Berufsdaten, Transparenz und die Datenlöschung nach Zweckerfüllung zu erkennen.

Die von Tagungsleiterin Sara Licci sympathisch geführte Veranstaltung bot eine Summe an Informationen und einen Strauss an Inspiration, zudem die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen oder zu pflegen. Auch dank den Medienpartnern (Arbeitsrecht, HR Today, KMU Magazin, iusNet) und den Kooperationspartnern (Arbeitgeber Zürich VZH, Schweizer Kaderorganisation SKO, Vereinigung Zürcherischer Arbeitgeberverbände der Industrie VZAI, Zürcher Bankenverband) war die Arbeitsrechtstagung 2020 ein umfassend bereichernder Anlass für ca. 100 Teilnehmende.

Die Arbeitsrechtstagung 2020 zeichnet sich aus durch

  • aktuelle Themen mit hoher Praxisrelevanz
  • fachlichen Austausch
  • namhafte Referierende