Verschiedene Generationen am Arbeitsplatz: Bedeutung für die berufliche Vorsorge

Unsere Arbeitswelt wird immer komplexer, für viele Berufe wird die Ausbildungszeit immer länger, und oft braucht es noch Praktika oder Zusatzausbildung, bevor eine Person ins Berufsleben einsteigt. Dies führt zu einer demografischen Entwicklung in den Betrieben, welche den Anteil der älteren Arbeitnehmer an der Belegschaft erhöht. Die Veränderungen der Altersstruktur der Belegschaft sind eng mit dem Thema Personal verbunden. Die älteren Arbeitnehmer haben gegenüber ihrem Arbeitgeber andere Ansprüche als junge Familienväter bzw. –mütter und diese wiederum andere als jüngere Arbeitnehmer. Dies betrifft verschiedene Themenfelder wie zum Beispiel das Thema Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitsweise, aber auch die Altersvorsorge. Das Thema Altersvorsorge gewinnt zwar immer mehr an Bedeutung, dennoch ist die Altersvorsorge für jüngere Versicherte erst im zweiten Schritt interessant. So möchten die jüngeren Versicherten das Hier und Jetzt geniessen und eine Familie gründen. Das Einkommen wird vorwiegend für das Vergnügen, die Familie und allenfalls für den Kauf von Wohneigentum eingesetzt. Für den Sparprozess in der Altersvorsorge bleibt da oft nicht mehr viel übrig. Je nach Lebenssituation haben somit verschiedene Themen ganz unterschiedliche Gewichtung. Da die Population der jüngeren Arbeitnehmer die Zukunft eher kurz- bis mittelfristig plant, sind in der Altersvorsorge individuelle Wahlmöglichkeiten für sie eher ein Gewinn. Beispiele für diese individuelle Wahlmöglichkeit sind:

a.) Wahl der Höhe der Sparbeiträge, welche durch die Arbeitnehmer zu finanzieren sind;
b.) Wahl der Höhe der Risikoleistungen im Invaliditäts- und Todesfall.

Diese Wahlmöglichkeiten stossen auch bei den älteren Arbeitnehmern auf Anklang, da die Altersvorsorge durch solche Massnahmen auch für sie flexibel gestaltet werden kann.

Neben den individuellen Wahlmöglichkeiten ist für die Population der jüngeren Arbeitnehmer die Generationengerechtigkeit auch ein wichtiges Thema, denn durch den demografischen Wandel sind die jüngeren Arbeitnehmer in vielen Bereichen (zum Beispiel Krankenversicherung, Unfallversicherung und Umweltpolitik) immer stärker belastet. Aus diesem Grund sollte alles daran gesetzt werden, in der Altersvorsorge keine zusätzliche Belastung für die jüngeren Arbeitnehmer zu generieren. Dies kann realisiert werden, indem in der Altersvorsorge versicherungstechnisch korrekte Leistungen angeboten werden. Dies führt im aktuellen wirtschaftlichen und demografischen Umfeld zu einer deutlichen Reduktion der Umwandlungssätze (= Faktor zur Festlegung der Altersrente aus dem vorhandenen Sparkapital). Ohne Begleitmassnahmen führt diese Reduktion des Umwandlungssatzes bei älteren Arbeitnehmern zu einschneidenden Kürzungen, während bei den jüngeren Arbeitnehmern die Option besteht, durch die künftigen Anlagejahre diese Reduktion des Umwandlungssatzes wieder auszugleichen.

Diese Ausgangslage zeigt, was die Generationengerechtigkeit anbelangt, dass die Altersvorsoge deshalb so stark gefordert ist wie noch nie seit Einführung des Pensionskassenobligatoriums im Jahr 1985. Es liegt an allen, auf die verschiedenen Sichtweisen einzugehen und die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um damit die Zufriedenheit aller Arbeitnehmer zu steigern und diese möglichst lange an das Unternehmen zu binden.

Dr. Christoph Plüss, Partner, Pensionskassen-Experte SKPE, Allvisa AG